Verpackungsdruck: Flexo oder Offset?

Bedruckte VerpackungenDie Umverpackung eines Produktes kann erheblichen Einfluss auf dessen empfundene Wertigkeit nehmen. Eine bedruckte Kartonage wird so schnell zum Markenbotschafter.

Um eine imagewirksame bedruckte Umverpackung zu erhalten, stehen unterschiedliche Druckverfahren zur Verfügung, jedes mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Welches Verfahren im Einzelfall am besten ist, kommt ganz auf die jeweilige Anforderung an. Im Verpackungsdruck kommen v.a. zwei Verfahren zur Anwendung: Flexodruck und Offsetdruck.
Flexodruck

Der Flexodruck gehört zu den Hochdruckverfahren, d.h. die druckenden Elemente der Druckform liegen erhöht, die nicht druckenden Elemente vertieft. Die Farbe wird mit einer Rasterwalze aus der Farbwanne gleichmäßig auf die Druckform aufgebracht und von dort auf den Bedruckstoff übertragen. Um Halbtöne zu erzeugen muss die Vorlage in regelmäßig geordnete Punkte (Rasterlinien) umgesetzt werden. Die unterschiedlich großen Bildpunkte und Farben ergeben dann, je nach Feinheit der Rasterlinien, ein dementsprechendes Druckbild.

Schematische Darstellung des Flexodrucks

Man unterscheidet beim Flexodruck zwischen der Pre-Print-Methode und dem Flexodirektdruck. Im Pre-Print-Verfahren wird das Deckenpapier, also die äußere Schicht der Wellpappe, vor der Pappen-Herstellung bedruckt und erst dann zur Wellpappe weiterverarbeitet. Beim Direktdruck wiederum wird während der Weiterverarbeitung direkt auf die fertige Wellpappe gedruckt. Meist werden Drucken und Stanzen in einem Arbeitsgang erledigt (=Inline).

Die Druckformen sind langlebige Polymerklischees, die bis zu einer halben Millionen Druckvorgänge aushalten.

Entgegen vieler Vorurteile ist die Qualität im Flexodruck heutzutage konstant hoch, wenn auch nicht ganz so hochauflösend wie im Offsetdruck. Bei feinen Schriften und dünnen Linien stößt der Flexodruck jedoch an seine Grenzen. Hier ist spezielles Augenmerk bei der Repro nötig.

Beim Direktdruckverfahren kommt es aufgrund der Beschaffenheit der Wellpappe zudem zum sog. „Waschbretteffekt“. Durch die innenliegende Welle entsteht an bestimmten Stellen mehr Gegendruck als an anderen Stellen. An diesen Stellen kommt es zu größeren Quetschungen der Rasterpunkte und daher zu einem höheren Punktzuwachs, der als Wellenstruktur erkennbar ist.

Offsetdruck

Beim Offsetdruck handelt es sich um ein Flachdruckverfahren, druckende und nicht druckende Elemente befinden sich auf einer Ebene. Druckende Partien nehmen Farbe an, nicht druckende Partien sind so behandelt, dass sie Farbe abweisen. Als Bedruckstoff dient Papier, dass in einem seperaten Produktionsvorgang auf die offene Wellpappe aufkaschiert wird.

Funktionsweise OffsetdruckDie Druckplatten sind wesentlich kostengünstiger als im Flexodruck. Bedingt durch den zusätzlichen Arbeitsschritt im Offsetdruck sind die Stückkosten pro Druck hingegen höher als im Flexodruck.

Beim Offsetdruck erzielt man eine besonders hohe Druckqualität bei feinen Rastern im Mehrfarbendruck. Heutzutage lässt sich ein Offsetdruck sogar schon im Direktdruckverfahren auf die Wellpappe aufbringen. Dies funktioniert bei Wellpappenstärken bis maximal 1,6 mm und bietet zum Preprint-Verfahren einen Kostenvorteil, da ein Arbeitsschritt eingespart wird.

 

Offset oder Flexo?

Eine allgemeingültige Aussage, welches Druckverfahren das beste ist, gibt es nicht. Es kommt ganz auf die individuellen Anforderungen an, welchem Verfahren der Vorrang zu geben ist.

So kommt es z.B. auf die Druckauflage an. Bei geringen Auflagen kann ein Offsetdruck günstiger sein als ein Druck im Flexoverfahren. Bei ersterem sind zwar die Stückkosten höher, dafür die Klischeekosten erheblich geringer.

Ebenso kann die Schnelligkeit ein Entscheidungskriterium sein. Der Flexodruck ist diesbezüglich leicht im Vorteil, da hier ein Arbeitsgang weniger nötig ist als im Offsetdruck und das Rohmaterial Wellpappe schneller zur Verfügung steht.

Ein weiteres Kriterium stellt die Größe der Verpackung dar. Im Offsetdruck ist die maximal zu verarbeitende Bogenbreite 1600 mm, der Flexodruck ist hier flexibler und geht im Stanzbereich bis 2800 mm und im Inlinebereich bis 5500 mm Bogenbreite.

Nicht zuletzt bestimmen auch die Ansprüche an das Druckbild die Wahl des Druckverfahrens. Doch auch hier gibt es Kriterien, die die Druckqualität unabhängig vom gewählten Druckverfahren beeinflussen, wie z.B. der Bedruckstoff. Ungestrichene Papiere „saugen“ Farbe auf, was zur Folge hat, dass das Druckergebnis immer „matter“ wird als z.B. bei gestrichenen Papieren. Bei diesen verhindert eine Schicht, die im wesentlichen aus Kreide besteht, weitgehend das Eindringen der Druckfarbe, so dass der Druck höhere Farbbrillianz erreicht.

Welches Druckverfahren also im individuellen Fall zum Tragen kommt ist immer das Ergebnis sorgfältiger Abwägung. Ein Experte kann hier wertvolle Hilfestellung leisten.

Weitere Informationen erhalten Sie auf http://www.pack2000.de oder im Verpackungsblog auf http://www.verpackungsblog.com

 


Kommentare

Verpackungsdruck: Flexo oder Offset? — 2 Kommentare

  1. Ich habe schon mehrere Artikel zu diesem Thema gelesen, aber es nie verstanden. Hier ist es sehr gut beschrieben und die Bilder machen es auch noch verständlicher.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.